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Auxiliae (lat. auxilium = Hilfe) Eigentlich Soldaten, die für die Interessen anderer Leute kämpfen, zum Beispiel für die ihrer Feinde. Grob gefasst kann man als potenziell demnächst toter Soldat aus zwei Gründen in den Krieg ziehen: erstens für die romantische Vorstellung von der Gerechtigkeit (oder wenigstens Notwendigkeit) des gerade aktuellen Krieges. Was Eigeninteressen aber nicht unbedingt ausschliessen muss, wie etwa die Verteidigung von dem, was man bereits hat. Zweitens für Geld oder andere Tauschwaren, also für die Verteidigung von dem, was man noch nicht hat, aber gerne haben möchte. Dass sich die wirre Abwägung selbiger Interessen bis heute nicht wesentlich geändert hat, beweist die fortschreitende Privatisierung (neudeutsch: Deregulierung) von mörderischen Kampfhandlungen, die weltweit mehr und mehr von renditesüchtigen Unternehmern übernommen werden. Nationalismus und Imperialismus müssen deshalb aber noch längst nicht abtreten von der altehrwürdigen Bühne des Krieges. Denn selbst wenn der Krieg auch an vorderster Front zum lukrativen Geschäft wird, bestimmen immer noch die Auftraggeber, wo und wann er gegen wen stattfindet. Nichts Neues angesichts des ewigen Söldnertums. Zu Glaucus’ Zeiten machten die Auxiliae genannten Hilfstruppen übrigens die Hälfte der gesamten römischen Streitmacht aus. Barbar (gr. barbaros = Stammler) Eigentlich die liebe- und respektvolle Bezeichnung für alle antiken Fremden, deren Altgriechisch alles andere als flüssig war. Dennoch verkam der Barbar im Laufe der Zeit mehr und mehr zum vermeintlich kulturlosen und bedrohlichen Ungetüm der Weltgeschichte. Noch bis heute werden in geostrategischen und/oder rein persönlichen internationalen Medienfeldzügen die potenziellen Gegner und ihre Kultur gerne als barbarisch verunglimpft. Auch hierzulande haben Vaterlandsbeschützer die Gefahr des Stammelns erkannt und versuchen, selbst Eingewanderte aus fernsten Ländern zum Erlernen der heimischen Sprache zu zwingen. In anderen Einwanderungsländern geht der Trend dagegen eher zur allgemein akzeptierten Mehrsprachigkeit. Der kreative Prozess der ewigen Sprachvermischung lässt sich jedoch in beiden Fällen kaum durch derart plumpe Manöver aufhalten. Mit alles? Ja bitte, mit alles. Castra Vetera (lat. castrum = Kastell) Sowas wie das Ramstein der Antike, nur viel weiter im Norden. 10000 Legionäre fassendes, stark befestigtes Lager bei Xanten, das in den Wirren des Bataver-Aufstandes im Jahr 70 völlig zerstört wurde. Während die modernen Ramstein-Legionäre eher mit brandgefährlichen Flugvorführungen und schlimmstem US-Speiseeis in Pappkartons (Abgabe literweise) in Erinnerung bleiben, hatten ihre antiken Vorbilder Annehmlichkeiten wie Fußbodenheizung, Mathematik, Philosophie und konzertierte Kriegsführung für die germanische Dorfbevölkerung im Gepäck. Die Castra Vetera bot schon der 18. Legion ein angemessenes Zuhause, bevor diese in der legendären Varusschlacht im Jahr 9 vernichtet wurde (geschäftstüchtige Germanen streiten sich bis heute, wo die Schlacht genau stattfand). Nachdem sich das Kastell als zu schwach für ebenso wissbegierige wie nachtragende Germanen erwies, bauten die nimmermüden Römer eben ein neues. Hedonist (gr. Hedone = Lust) Nicht nur auf den angeblich selbstgeilen Nero anwendbarer Begriff rund um die ewige Erlebnisssucht der Menschen. Der Hedonismus war bereits bei den alten Griechen eine Philosophie für sich (was nicht?). Schon Aristipp bezeichnete die körperliche Lust als den wahren Sinn des Lebens. Folglich feiert der Hedonismus regelmäßig seine zeitgemäße Renaissance (etwa Ende des 19. Jahrhunderts durch u. a. Oscar Wilde oder in den goldenen 1920ern oder in der Hippie-Ära durch die Freie Liebe). In heutigen Zeiten, in denen das Lustprinzip auf alles Denkbare ausgedehnt wird, vom Frühstück über die Fortbewegungsmaschine bis zum Turnschuh, dient der arme Hedonismus vor allem Marketingleuten zur Kategorisierung von sogenanntem Verbraucherverhalten. Kelten (gr. keltoi = die Tapferen) Analog zu den Germanen recht unpräzise Bezeichnung diverser Völker der mittel- bis südwesteuropäischen Antike. Schon die Griechen und Perser handelten lange vor der Entstehung des Römischen Reiches angeblich mit Metall verarbeitenden Stämmen, die aus Rhein- und Donaugegenden stammten. Die Römer sorgten dann für eine eher grobe Einteilung, die sich bei Nichteingeweihten (wie dem Autor) bis heute gehalten hat: eher linksrheinisch die Kelten (oder Gallier), eher rechtsrheinisch die Germanen. Alle Angaben ohne Gewähr. Mogontiacum (keltisch Mogon = der Große) Es war einmal ein keltischer Haupt- und Kriegsgott namens Teutates, dem man den Beinamen Mogon, der Große gab. Mogontiacum, direkt an der Mündung des Main in den Rhein gelegen, bedeutet also soviel wie „das Land des Mogon”. Im Gegensatz zu antiken Megacities wie Colonia Agrippina (heute Köln) oder Augusta Treverorum (Trier) war Mogontiacum ein reines Militärlager und fern jeder Urbanität. Wie seine Bewohner zu den lustigsten Vertretern der heutigen Germanen aufsteigen konnten, bleibt selbst Kennern der Geschichte ein historisches Rätsel. Besagter Ort nennt sich heute übrigens Mainz – ist ja auch viel einfacher auszusprechen. Natalis Invicti (lat. X-Mas) Wieder was für Verschwörungsliebhaber. Besagte Dies Natalis Invicti bezeichnen den Geburts- und Feiertag zu Ehren des Gottes Sol Invictus. Die „unbesiegte Sonne” kennzeichnet natürlich die Wintersonnenwende um den 25. Dezember – ein wichtiges Datum für antike Menschen, die in jedem Winter darum gebetet haben, dass der nächste Sommer pünktlich kommt. Bei den Römern feierte man diesen Tag der Hoffnung, an dem das Schlimmste überstanden war (die geringste Mittagshöhe der Sonne ist überwunden), durch das nächtliche Verbrennen von Bäumen (man bevorzugte Koniferen). Ein Brauch, der sich übrigens bis heute mancherorts in vielen Feuer fangenden Weihnachtsbäumen wiederholt. So ganz kommt man eben nicht raus aus seinen geschichtlichen Wurzeln. Die Germanen nannten die Wende das Julfest und die Völker im hohen Norden bezeichneten es als Weiße Nächte. Hört sich natürlich nicht zufällig an wie Weihnachten, sondern gilt vielen als der wahre geschichtliche Ursprung des von Kindern heiß herbeigesehnten Höhepunkt des Jahres. Das Geburtsdatum von Jesus wurde übrigens erst im 4. Jahrhundert nach selbigen willkürlich auf den antiken Evergreen der Feiertage verlegt. Pilum (römischer Wurfspeer) Das Pilum löste die Hasta ab, einen Kampfspeer, der noch von der erfolgreichen griechischen Phalanx inspiriert war. Selbige hielt sich anstürmende Gegner einfach mit drei und mehr Meter langen Speeren vom Leib und kämpfte in geschlossener, aber statischer Formation. Für die expansive Strategie der Römer, die auf Raumgewinn, Flexibilität und einer überraschend schnellen Überbrückung großer Entfernungen beruhte, war die Hasta natürlich viel zu schwer (so ein Legionär hatte ohne sie schon mehr als 30 Kilo Marschgepäck zu schleppen). Zudem konnte man die Hasta aufgrund ihres Gewichts nicht weit werfen und tat man es doch, konnte der Gegner sie schlimmstenfalls zurückwerfen. Nicht so beim Pilum. Schlank und leicht, liess es sich weit werfen (20 m) und verbog sich beim Aufprall auf gegnerische Schilde derart, dass man es kaum herausziehen und erst recht nicht zurückwerfen konnte. Dass es dennoch nicht als erste Einwegwaffe in die Geschichte eingezogen ist, liegt daran, dass geschickte Schmiede die verbogenen Pila für die nächste Schlacht wieder gerade richteten. Und die nächste Schlacht kam bestimmt. Palisade (lat. palus = Pfahl) Lange bevor der Mensch sesshaft wurde (was manch Gelehrter noch bis heute mit dem Beginn der Kultur verwechselt), entwickelte sich die Kunst der Verteidigung und daraus resultierend die Kunst der Befestigung. Dass umherziehende Stämme eher den ebenso mobilen, multifunktionalen und leichten Stock, Stab oder Pfahl benutzen, um sich des nächtens vor allerlei Bedrohungen zu schützen, leuchtet selbst heute ein. Der schwere Stein als Alternative machte erst Sinn im Zeitalter der Sesshaftigkeit (weswegen man zumindest in Europa Immobilien bis heute aus eben demselben fertigt). Die mobilen römischen Armeen, ausgesandt, um die gesamte damals bekannte Welt zu befrieden und zu besteuern, griffen logischerweise auf den Pfahl zurück. Die drei bis vier Meter hohen Holzpfähle wurden nach strengen Vorschriften eingegraben und arrangiert und machten vor allem die gegnerische Reiterei arbeitslos. Spuren der römischen Palisaden lassen sich heute vor allem auf Satellitenaufnahmen bewundern. Rhenus (lat. Rhein) Zu Glaucus’ Zeiten war der Rhein, sowohl für die westwärts drängenden Germanen wie auch für die ostwärts drängenden Römer, Segen und Fluch zugleich. Einerseits hinderte der mächtige Fluss die gegnerische Partei in ihrem Bewegungsspielraum, andererseits die eigene. Durch diese Pattsituation blieb der Rhein über Jahrhunderte eine natürliche kulturelle Grenze, die Europa offiziell in zwei Welten teilte, von denen nur eine romanisch geprägt war. Was für Linguisten eine Selbstverständlichkeit ist, sorgt selbst heutzutage noch für Disput. Vor allem in Ortschaften, die sich über beide Ufer des Rheines ziehen, wird streng unterschieden zwischen links- und rechtsrheinischen Bewohnern. Besagter Rhenus gilt heute übrigens als der meistbefahrene Fluss der Welt. Zenturio Prior Hastatus (lat. hastati = Träger der Hasta (siehe Pilum)) Nichts ist verwirrender als die Unterbezeichnungen der römischen Zenturionen. Andererseits weiß aber auch heute kaum jemand, was sich genau hinter Begriffen wie Chief Executive Officer oder Chief Operating Officer verbirgt. Ebenso undurchsichtig, was den Vorstand eines Unternehmens vom Vorsitzenden der Geschäftsführung unterscheidet oder vom Vorstandssprecher einer AG. Ähnlich in der römischen Legion und erst recht in aktuellen Armeen. Wer welches Lametta auf den Schultern trägt, spielt keine Rolle, solange man selbst nur die Last der eigenen Unbedeutsamkeit schultert. Glaucus trägt übrigens den zweitniedrigsten Rang aller Zenturionen. |























