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Anatolien (gr. Anatole = Osten)
Auch als Kleinasien bezeichnete geografische Einordnung eines Sub-Subkontinents Eurasiens, dessen Fläche heute weitgehend von der Türkei eingenommen wird. Während seine Ausdehnung im Westen, Norden und Süden von Wasser definitiv definiert ist, streiten sich die Gelehrten noch immer, wo wohl seine östliche Grenze verläuft. Zudem bezweifeln vor allem westeuropäische Politiker berufsbedingt bis heute, dass Anatolien ein Teil Europas sei (wobei Europa ein Subkontinent Eurasiens ist, zu dem Kleinasien ebenfalls gehört). Fakt bleibt, dass Anatolien vom 4. bis zur Mitte des 15. Jahrhundert nach Christus nicht nur europäisch, sondern auch das Kerngebiet des (christlichen) Oströmischen bzw. Byzantinischen Reiches war. Und tausend Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Selbst bei Eriks Deae ex machina.



Berserkir (altnordisch, Bedeutung umstritten)
Legendäre Rauschkämpfer (nicht nur bei den Wikingern), denen weder Schmerz noch heftige Verletzungen den Spaß am Kampfgetümmel verleiden konnten. Sozusagen die Mütter aller Selbstmord-Soldaten, die vom Römer Tacitus allerdings schon unter den Germanen ausgemacht wurden. Zeitweise als Kämpfer in Bärenfellen interpretiert, geht man heute davon aus, dass so ein Berserker (wenn schon todesmutig, dann aber richtig) bar allen Schutzes in die finale Schlacht zog. Weiter berichtet die Legende über die herrlichen Berserkir, dass ihr Todesrausch durch spezielle Tränke gefördert wurde, zu deren Bestandteilen durchaus auch menschliches Urin gehören durfte. Dass der unter heutigen Soldaten übliche Begriff Verpisser sich aus den entsprechenden Lieferanten- und Konsumentenrollen speist, ist allerdings weit hergeholt.



Byzantinisches Reich
Auch Oströmisches Reich genannt, von der Spätantike bis ins Jahr 1453 existierendes Staatsgebilde mit extrem schwankenden Ausdehnungen. Benannt nach der griechischen Kolonie Byzanz, die vom römischen Kaiser Konstantin 324 zum neuen Rom (Nova Roma) ernannt wurde, anschließend vom Volksmund Konstantinopel getauft wurde und heute logischerweise Istanbul heißt. Auch wenn der Römer Konstantin im Verdacht steht, ein wesentlicher Förderer des frühen Christentums gewesen zu sein, hatte die offizielle Teilung des Römischen Reiches im Jahr 395 unter den Kaisererben Arcadius und Honorius wohl nichts mit derartigen Sentimentalitäten zu tun. Nicht anzuzweifeln ist indes, dass die Osmanen Konstantinopel im Jahr 1453 eroberten und dass die Stadt auch unter ihrem heutigen Namen zu den ältesten Städten der Welt gehört.



Einherjer (altnordisch Gefallener, siehe Glossar Kap.7)
Nur die Harten kommen in den Garten. Der eventuell ursprünglichen Bedeutung dieses lästigen Bonmots nach handelt es sich dabei um Asgard, den Garten der Asen. Tapfere Krieger wurden noch im Moment ihres Todes von den Walküren zum einäugigen Odin geleitet, der sie in Walhall aufnahm. Gerade unter den Wikingern wurde dieser heidnische Mythos als Gegenkult zum monopolistisch-aggressiven Christen-Himmel gehyped. Im Gegensatz zur schwülstigen Erlösung von allen Sünden bot Walhall reinsten Konsumwahn in Form von Saufen und Fressen bis zum Abwinken. Pimp my Abgang. Das waren noch Zeiten.



Fardrengir (angelsächsisch Dreng = Krieger)
Reisende sollte man besser nicht aufhalten. Aber das hatte sich zur Zeit der Wikinger unter deren Gegnern noch nicht herum gesprochen. Nach eigener Definition bezeichneten sie sich als Seekönige ohne Land, was dazu führte, dass sie Länder zwar verwüsteten und ausplünderten, aber selten langfristig eroberten (das Schiff, die Reise und die Heimkehr waren wichtiger) und entsprechend kaum kulturelle Einflüsse hinterließen. Weswegen man auch wenig weiß über ihre Kultur. Als sicher gilt, dass sie glaubten, ihr Schicksal sei vorherbestimmt (von wem wohl?) und dass es enormer Magie bedarf, es zu beeinflussen (jaja). Gar nicht so dumm, diese Wikinger. Ein Fardrengir ist übrigens ein Drengir, der von Land zu Land segelt. Far from home sozusagen.



Geirrondül, Herja
So können nur Walküren heißen. Die berühmten Schlachtjungfern suchten sich ihre Einherjer (siehe dort) nach Gusto aus und führten sie an einen Ort, wo das Murmeltier täglich grüßt bis zur Ragnarök. Denn in Walhall wurde jeden Tag aus Neue die selbe Wildsau (Saehrimnir) durchs Dorf getrieben, geschlachtet und verspeist. Eingeweihte streiten sich noch heute darüber, ob es nur neun Walküren gibt oder gar neuntausend.



Ghuzz, Ogusen
Besagtes Völkchen kam wohl vom äußersten Asien bis nach Europa (wie übrigens wir alle, so berichten es Völkerkundler, nur eben später) und gilt inoffiziell als Vorgänger oder zumindest Wegbereiter der berühmten Seldschuken, die dann tatsächlich Kleinasien einnahmen, sich zwischendurch mit den Arabern anlegten, ihre Reiche eroberten und dennoch deren damals neue Religion annahmen sowie wohl irgendwie in deren Kultur aufgingen (oder umgekehrt). Weniger verwirrend: Die Ghuzz stammten aus Sibirien oder der Mongolei und hatten eine (auch unter historischen Gesichtspunkten) sehr beachtliche Kunstfertigkeit im Umgang mit dem Bogen entwickelt. Diffuse Quellen berichten, ihr Name würde genau diese Eigenschaft beschreiben. Der hier dargestellte faltbare Kompositbogen aus Holz, Horn und Tiersehnen war extrem durchschlagskräftig und schoss angeblich mehrere hundert Meter weit.



Ischididen, Tuluniden
Ganz ehrlich: Es würde euer Leben nicht verändern, nicht zu wissen, wer die waren (das des Autors auch nicht). Die Kurzfassung: 750 nach Christus wurde Damaskus als Hauptstadt des jungen Islams plötzlich zur Provinz degradiert und das gerade neu gegründete Bagdad von den Abbasiden zum Sitz des Kalifen ernannt. Im anschließenden Machtvakuum stritten sich in Damaskus, das noch lange Zeit Sitz vieler Gelehrter war, besagte Ischididen mit den Tuluniden um die Restmacht. Wer gewonnen hat, weiß heute kaum jemand.