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Über Erik (Teil 1)
Also eigentlich ist Erik ja gar nicht mein Name, aber immerhin mein zweiter Vorname (zumindest fast). Ich wollte eben schon immer einen Künstlernamen haben, halt so, wie viele der großen und berühmten Comicautoren und -zeichner. Und dass ich mich seit meiner Kindheit mit Comics beschäftige, sieht man Eriks Deae ex machina hoffentlich an. Da Comics (und auch Webcomics) aus einer Synthese aus geschriebenem Wort und Bild bestehen, zieht sich diese Kombination folglich durch mein ganzes Leben.

Entsprechend hab ich Grafik-Design studiert, als Art Director in der Werbung gearbeitet und bin dann konvertiert zum Texter und Konzeptioner. Anschließend wurde ich als Freelancer zur One-Man-Show für Art und Text. Das für mich Verblüffende daran ist, dass ich erst bei den Arbeiten zu Eriks Deae ex machina ernsthaft angefangen habe, über Wort und Bild nachzudenken. Bis dahin habe ich beide einfach nur benutzt, so wie wir alle. Aber der Reihe nach.

Die erste visuelle Sprache, die so ein Mensch wie unsereins entdeckt, ist die des Bildes. Lange bevor wir das geschriebene Wort Hund als solches identifizieren können, erkennen wir das Bild Hund. Und mehr noch: Wir können das Bild Hund schreiben (oder zeichnen), ohne diese Kunst in mühsamen Unterrichtsstunden erlernt zu haben. Wir sind also alle natural born graphic artists – Naturtalente eben.

Diese Kunstfertigkeit verlernen wir jedoch rasch (leider) und das hat seinen Grund. Denn jedes Kind merkt schnell, dass die Fähigkeit zu Lesen die Eintrittskarte in unsere voll alphabetisierte Welt ist. Nur sie verschafft Zugang zu essentiellen Informationen und verleitet selbst Erwachsene noch zu der Illusion, sich durch Lesen (was andere geschrieben haben) eine eigene Meinung bilden zu können.

Da die Aneignung dieser hochabstrakten Fähigkeit aber mit einem immensen intellektuellen Aufwand verbunden ist, verdrängt sie im Laufe unserer Entwicklung die Kunst, mit einfachen Bildern zu kommunizieren. In der langen Übergangsphase vom Bild-Kind zum Lese-Kind ist der Comic seit einem guten Jahrhundert folglich das ideale pädagogische Instrument. Glücklicherweise hat er sich längst emanzipiert vom Kindchenschema und taugt heute auch für durchaus anspruchsvolle und ambitionierte Unterhaltung.

Der eine oder andere von uns bleibt dann aber doch hängen am gezeichneten Bild. Denn Bilder lesen zu können ist wie Radfahren – einmal gelernt, ist diese Fähigkeit ein Leben lang abrufbar. Bei mir war die Faszination eben so groß, dass ich das Zeichnen schon als Kind lernen wollte und es ablehnte, diese damals rudimentär ausgeprägte Fähigkeit wieder zu verlernen. Um die Unterschiede zwischen worthafter und bildhafter Sprache zu ergründen, kommen wir kurz zurück zu unserem Hund.

Wenn hundert Leute das Wort Hund schreiben, ergibt das hundert mal das Wort Hund. Denn Buchstaben oder daraus geformte Worte sind wie Geld. Sie sind Tauschmittel und können von jedem benutzt werden. Genau wie Geld gehören sie einem aber nicht – sie sind Allgemeingut und dienen nur dem Austausch grober und genormter Informationen. Wenn aber hundert Leute einen Hund zeichnen, ergibt das hundert Hunde. Jeder davon ist ein Unikat, ein Original, die individuelle Äußerung eines natural born graphic artists. Um die hundert Hunde von einander zu unterscheiden, bedürfte es hunderter von Worten – oder eines kurzen Blickes.

Was natürlich nicht heißen soll, dass Zeichnungen zu schreiben eine Kunst ist und Worte zu schreiben keine. Dieses Beispiel verdeutlicht aber die Unterschiede zwischen bildhafter und worthafter Sprache. Gänzlich absurd wird diese Betrachtung übrigens spätestens dann, wenn man erkennt, dass das Wort Hund im Kopf des Lesers ein Bild (oder eine ganze Sammlung davon) abruft. Wobei jeder Kopf natürlich über sein eigenes, individuelles Hunde-Bildarchiv verfügt, das in Worten kaum zu beschreiben wäre. In Zeichnungen schon, aber das haben wir uns ja abgewöhnt.

Einen Hund zu zeichnen ist übrigens ziemlich schwierig. Fast so schwierig wie ein Pferd.

Erik

PS: Einen Text über sich selbst zu schreiben ist offensichtlich auch nicht einfacher (vor allem weil es keine individuellen Worte gibt – dafür sind die, wir wissen es jetzt, ja auch nicht da). Beim nächsten mal versuche ich es wohl eher mit einem Bild. Bis dahin viel Vergnügen mit Eriks Deae ex machina.


Über Erik (Teil 2)
Da erste Testleser der Meinung sind, Teil 1 wäre interessant, hätte das eigentliche Thema aber gänzlich verfehlt, hier nun die Version, die erklärt, wie ich auf die abstruse Idee komme, die epische Online-Comic-Saga Eriks Deae ex machina ins Web zu stellen.

Erstens: Dafür ist das Web doch da. Bislang besteht die gelernte Welt aus einer Bühne und einem Publikum. Auf dieser Bühne kann man all seine Fähigkeiten zeigen. Man kann singen, ein Gedicht vortragen, einen Film vorführen, eine Talkshow moderieren, aus einem Buch lesen oder sich einfach ausziehen. Kurz bevor man die Bühne betritt (das Publikum wartet schon auf den nächsten Winner oder Loser), wird man aber angehalten von einem, der behauptet, Besitzer und Unterhalter dieses Etablissements zu sein. Weswegen er nicht nur seinen Teil von Applaus und Einspielergebnissen fordert, sondern auch darüber entscheidet, wer sich nun ausziehen darf auf seiner Bühne. Und wie viel und in welcher Reihenfolge. Der exemplarische gute Mann kontrolliert also alles, was wir sehen, lesen und hören. Er kontrolliert die Information und die Unterhaltung und die gesellschaftlichen Auswirkungen selbiger (zumindest versucht er es). Ein kostenloser Webcomic entzieht sich dieser Machtstruktur. Nachteil: Das Publikum amüsiert sich, aber es zahlt nicht.

Zweitens: Ich schreibe und zeichne Comics seit ich mich erinnern kann (ehrlich gesagt erinnere ich mich an sonst kaum etwas). Veröffentlicht wurde all das aber nicht, was hauptsächlich meine eigene Schuld ist (klären wir bei Bedarf im Forum). Grob gefasst hat es eben seine Zeit gedauert, bis ich bereit war, mich auf die Bühne zu trauen. Dazu braucht man nicht nur das Vertrauen in die eigenen handwerklichen Fähigkeiten, sondern auch die richtige Geschichte. Zum Beispiel Eriks Deae ex machina.

Drittens: Die lange Entstehungsgeschichte der Deae begann wohl vor zehn Jahren. Da hießen die Deae noch ganz anders und waren nur eine von vielen Ideen, die ich parallel vorangetrieben habe – nach Feierabend, versteht sich. Aber im Laufe der Abende, an denen ich über diversen Geschichten gebrütet habe, entwickelten die drei Göttinnen ein Eigenleben und liessen mir einfach keine Ruhe mehr. Sie wollten raus aus meinem Kopf und zuletzt mussten sie es auch. Also hab ich beruflich alles hingeschmissen, meine Ersparnisse zusammengekratzt und widme mich seitdem auch schon vor Feierabend der Realisierung der Deae und des ganzen Durcheinanders, das sie in vielen Epochen der Historie noch anrichten werden.

Viertens: Ob das gut geht und bis zum unausweichlichen Ende der Saga von Eriks Deae ex machina reicht, werden wir sehen. Der Webcomic umfasst (nach heutiger Planung) etwa 40 bis 50 Kapitel. Das ist ne Menge Holz für einen Einzeltäter wie mich, macht aber auch grausam viel Spaß. Deswegen arbeite ich auch genau jetzt weiter an den Deae ex machina. Nochmals viel Vergnügen bei der Lektüre.

Erik


Der Autor

Künstlername: Erik

Titel: Diplom-Designer

Studium: Saarbrücken

Stationen: Art Director und Texter in
Werbeagenturen in Saarbrücken und
Düsseldorf

BIsherige Comic-
Veröffentlichungen:
keine (ist mein Debüt)

Einflüsse: alles, was besser ist als meine Arbeit (also viele Einflüsse)